PI 5-2006
 
   
                                  
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Presseinformation vom 14.12 2006
"Viele Fossilien bei Götzenhain geborgen - neue Erkenntnisse für die Wissenschaft"
 
 

Haie, Schmelzschupper-Fische und molchähnliche Saurier tummelten sich vor 290 Millionen Jahren, zur Zeit des höheren Rotliegend, in einem Süßwassersee in der Nähe des heutigen Dreieicher Ortsteils Götzenhain (Landkreis Offenbach).

Zahlreiche Belege dieser Fauna und weitere Fossilien aus dem ausgehenden Erdaltertum haben Mitglieder der Arbeitsgruppe Palaeo-Geo e. V., Kelkheim, während einer Grabungskampagne von April bis November dieses Jahres aus der Baustelle der Ortsumfahrung Götzenhain geborgen.

Über 300 Funde konnten dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt übergeben werden; dort werden sie wissen­schaftlich ausgewertet.

Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden, hatte dem Museum, in dessen Auftrag dann wiederum die Vereinsmitglieder tätig wurden, hierfür eine Nachforschungsgenehmigung erteilt, und damit die rechtliche Grundlage für die Notgrabungen geschaffen.

 

„Durch diese Baustelle hat sich ein für die Region einmaliges Fenster in die Erdgeschichte geöffnet“,

so Wolfgang Ott, Offenbach, der mit der Grabungsleitung vor Ort betraut worden war.

Bislang seien Fossilien aus diesen Schichten nur zufällig und selten im Raum Dreieich entdeckt worden.

Schon jetzt sei festzustellen, dass durch die konzertierte Aktion und den Arbeitseinsatz der Vereinsmitglieder wichtige neue Erkenntnisse für die Forschung gewonnen werden konnten.

 

Dies habe eine erste wissenschaftliche Sichtung der Fossilien durch den Geologen Thomas Schindler, Bayerfeld, im Hessischen Landesmuseum ergeben: Die Funde sind das reichste Material von Wirbeltieren, das bisher aus dem westdeutschen höheren Rotliegend bekannt ist.

Zudem sind größere Amphibien erstmals für diese Region nachgewiesen worden.

Der Fund eines weiteren, bisher nur in Rheinland-Pfalz bekannten molchähnlichen Amphibs (Eimerisaurus) dokumentiert die damals bestehende Verbindung zwischen den beiden Seebecken – dem Hessischen Becken, zu dem der Ablagerungsraum bei Götzenhain gehört, und dem Saar-Nahe-Becken.

Weiterhin belegt der Fund eines Schmelzschupper-Fisches mit einer ursprünglichen Gesamtlänge von 50 cm das größte bisher weltweit bekannte Exemplar dieser „Stumpfflosser“ genannten Fischfamilie (Amblypteriden).

 

Weitere Aufschlüsse über die damalige Lebewelt sind, so Ott, nach der Auswertung der Geländedaten durch Fachwissenschaftler und der Präparation von Fundstücken durch Mitglieder der Arbeitsgruppe zu erwarten.

 

Ohne die Unterstützung der vor Ort arbeitenden Firma Thomas-Bau aus Ingelheim hätten die Bergungsarbeiten bei weitem nicht in diesem Umfang stattfinden können, wie Ott anerkennt.

Die Firma baggerte wiederholt bis zu wohnzimmergroße Grabungsflächen von überlagernden Erd- und Gesteinsschichten frei.

Vor allem der Polier Bernd Gohres und der Baggerführer Ralf  Kunz engagierten sich, die Wissenschaft zu unterstützen. Daher konnten die Vereinsmitglieder unmittelbar die Plattenkalke abbauen und aufspalten.

 

Die inzwischen auf fast 70 Mitglieder angewachsene Arbeitsgruppe Palaeo-Geo e. V., Kelkheim, die im Juni 2004 gegründet wurde, hat es sich vor allem zur Aufgabe gesetzt, Fossilien zu bergen und zu präparieren, um sie der Wissenschaft zugänglich zu machen.

Zudem wird an den monatlichen Vereinsabenden und in Ausstellungen über paläontologische Themen informiert und es werden Exkursionen zu Fossilien-Fundstellen und Museen sowie Tauschtage durchgeführt.

Im Internet kann man sich über die Arbeitsgruppe unter www.palaeo-geo-ev.de unterrichten; per E-Mail ist sie über die Adresse Palaeo-Geo-eV@web.de zu erreichen.